Zwei aufwendige Techniken in einer Perücke
Wer sich intensiver mit hochwertigen Perücken beschäftigt, begegnet irgendwann der Bezeichnung Monofilament + 100 % Handknüpfung. Sie beschreibt eine besonders aufwendig konstruierte Montur, bei der unterschiedliche handwerkliche Techniken miteinander verbunden werden.
Im Bereich des Oberkopfes kommt Monofilament zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein feines, hautähnliches Trägermaterial, in das die Haare einzeln von Hand eingearbeitet werden. Die übrigen entsprechend ausgeführten Bereiche der Montur bestehen ebenfalls nicht aus klassischen Tressen, sondern werden auf feinem Trägermaterial von Hand geknüpft.
Damit unterscheidet sich diese Konstruktion sowohl von einer Perücke mit Monofilament und Tressen als auch von einer 100 % handgeknüpften Montur ohne zusätzlichen großflächigen Monofilament-Oberkopf.
Gerade diese begriffliche Abgrenzung ist wichtig. Denn „Monofilament“, „100 % handgeknüpft“ und „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ beschreiben nicht einfach unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Montur.
In diesem Ratgeber des Friseurbedarf24 Online Shop erklären wir deshalb, wie Monofilament und vollständige Handknüpfung zusammenspielen, welche Eigenschaften aus dieser Verarbeitung tatsächlich entstehen und warum die technisch aufwendigste Montur trotzdem nicht automatisch für jede Trägerin die beste Wahl sein muss.
Was bedeutet Monofilament + 100 % handgeknüpft genau?
Die Bezeichnung beschreibt zwei unterschiedliche Bereiche beziehungsweise Eigenschaften der Montur.
Am gesamten Oberkopf wird bei dieser Konstruktion Monofilament eingesetzt. Die Haare werden dort einzeln von Hand in das feine Trägermaterial eingeknüpft. Zwischen den einzelnen Haaren kann die darunterliegende Haut optisch durch das Gewebe hindurchscheinen.
Die übrigen entsprechend konstruierten Bereiche der Perücke sind ebenfalls handgeknüpft. Dort wird jedoch nicht zwingend dasselbe Monofilament verwendet. Stattdessen können die Haare beispielsweise auf besonders feinem Tüll beziehungsweise einem vergleichbaren Monturmaterial einzeln befestigt werden.
Entscheidend ist: Es gibt bei einer solchen 100-%-handgeknüpften Konstruktion keine klassischen maschinell gefertigten Tressen, wie sie bei einer Monofilament-und-Tresse-Montur zum Einsatz kommen.
| Monturbereich | Typische Verarbeitung |
|---|---|
| Oberkopf | Monofilament, Haare einzeln handgeknüpft |
| Seiten | auf feines Monturmaterial handgeknüpft |
| Hinterkopf | auf feines Monturmaterial handgeknüpft |
| Nacken | modellabhängige handgeknüpfte Konstruktion |
| klassische Tressen | bei dieser Monturart nicht Bestandteil der Grundkonstruktion |
| Filmansatz | modellabhängig zusätzlich möglich |
Wenn Ihnen eine aufwendige Verarbeitung und eine natürliche Wirkung besonders wichtig sind, finden Sie in unserem Sortiment Perücken mit hochwertigen Monturen und unterschiedlichen Kombinationen aus Monofilament, Lace Front und Handknüpfung.
Die exakte Ausführung kann sich von Modell zu Modell unterscheiden. Deshalb sollte bei einer konkreten Perücke immer zusätzlich geprüft werden, welche Art von Filmansatz, welche Haarfaser und welche weiteren Monturdetails der Hersteller ausweist.
Warum wird am Oberkopf zusätzlich Monofilament eingesetzt?
Der Oberkopf gehört zu den Bereichen einer Perücke, die bei vielen Frisuren besonders gut einsehbar sind. Scheitel, Wirbel und die Richtung, in der die Haare aus dem oberen Kopfbereich fallen, beeinflussen den Gesamteindruck erheblich.
Monofilament ist deshalb gerade hier eine interessante Konstruktion. Das Material ist fein und lässt zwischen den einzelnen eingeknüpften Haaren die darunterliegende Haut optisch durchscheinen. Dadurch entsteht keine geschlossene Fläche wie bei einer klassischen Haarreihe.
Ein weiterer Vorteil liegt in der einzelnen Befestigung der Haare. Innerhalb des entsprechend gearbeiteten Monofilamentbereichs können die Haarpartien differenzierter positioniert werden als bei einer fest vorgegebenen Tressenkonstruktion.
Bei einem großflächigen Monofilament-Oberkopf kann dadurch mehr Freiheit bei der Scheitelgestaltung entstehen als bei einem Modell, das lediglich ein Mono Part entlang eines festgelegten Scheitels besitzt.
Auch ein Mono Crown ist etwas anderes. Dabei beschränkt sich das Monofilament auf den Bereich des Wirbels. Ein vollständiger Monofilament-Oberkopf umfasst dagegen eine deutlich größere Fläche.
Wie stark sich diese Unterschiede in der Praxis auswirken, hängt selbstverständlich auch von Schnitt, Haarlänge und Frisur ab. Eine kurze strukturierte Frisur stellt andere Anforderungen an einen Scheitel als eine lange, eher ruhig fallende Perücke.
Eine ausführliche Übersicht über die unterschiedlichen Konstruktionsarten finden Sie in unserem Ratgeber über Perückenmonturen und ihre Unterschiede.
Was bedeutet die 100 % Handknüpfung außerhalb des Monofilaments?
Der zweite wichtige Bestandteil dieser Montur ist die vollständige Handknüpfung.
Bei einer klassischen Tressenperücke werden Haare zunächst maschinell zu schmalen Haarreihen verarbeitet. Diese fertigen Tressen werden anschließend auf der Perückenbasis befestigt.
Bei einer 100 % handgeknüpften Konstruktion werden die Haare dagegen auch außerhalb des Monofilament-Oberkopfes einzeln beziehungsweise in sehr kleinen Einheiten von Hand in ein feines Trägermaterial eingeknüpft.
Das verändert die Konstruktion grundlegend. Es verlaufen keine typischen Tressenbänder durch die entsprechend handgeknüpften Bereiche der Montur.
Dadurch können sich die Haarpartien differenzierter bewegen. Gleichzeitig lässt sich bei der Herstellung gezielter bestimmen, in welche Richtung einzelne Bereiche der Frisur fallen sollen.
Die Handknüpfung ist allerdings sehr arbeitsintensiv. Eine große Anzahl einzelner Haare beziehungsweise kleiner Haargruppen muss in Handarbeit positioniert und befestigt werden.
Genau deshalb gehören vollständig handgeknüpfte Monturen zu den technisch aufwendigsten Konstruktionen bei hochwertigen Perücken.
Wie eine reine 100-%-Handknüpfung aufgebaut ist und welche Eigenschaften daraus entstehen, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag über 100 % handgeknüpfte Perücken.
Monofilament + 100 % handgeknüpft oder Monofilament + Tresse?
Diese beiden Konstruktionen werden häufig miteinander verwechselt. Der entscheidende Unterschied liegt in der Verarbeitung außerhalb des Monofilamentbereichs.
Bei „Monofilament + Tresse“ werden die sichtbaren beziehungsweise entsprechend vorgesehenen Oberkopfbereiche mit Monofilament gearbeitet. Andere Bereiche der Montur bestehen dagegen aus maschinell gefertigten Haarreihen.
Bei „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ besitzt der Oberkopf ebenfalls Monofilament, die übrigen Bereiche werden jedoch ebenfalls von Hand geknüpft.
| Eigenschaft | Monofilament + Tresse | Monofilament + 100 % handgeknüpft |
|---|---|---|
| Monofilament am Oberkopf | ja | ja |
| Haare im Monofilament einzeln geknüpft | ja | ja |
| Tressen außerhalb des Monofilaments | ja | nein |
| weitere Monturbereiche handgeknüpft | nicht vollständig | ja |
| Herstellungsaufwand | hoch | besonders hoch |
| Beweglichkeit außerhalb des Monofilaments | durch Tressenkonstruktion geprägt | durch einzelne Handknüpfung geprägt |
Damit ist die vollständig handgeknüpfte Variante konstruktiv aufwendiger. Daraus sollte jedoch keine allgemeine Rangliste entstehen.
Eine gut konstruierte Perücke mit Monofilament und Tresse kann für eine bestimmte Frisur und eine bestimmte Trägerin genau die richtige Lösung sein. Wer die zusätzliche Beweglichkeit und tressenfreie Konstruktion außerhalb des Oberkopfes gar nicht benötigt, muss nicht automatisch von einer vollständigen Handknüpfung profitieren.
Die Kombination aus Monofilament und Tressen erklären wir deshalb bewusst in einem eigenen Ratgeber über Perücken mit Monofilament und Tresse.
Welche Vorteile kann Monofilament + 100 % Handknüpfung bieten?
Die Konstruktion verbindet mehrere technisch interessante Eigenschaften. Dabei sollten wir allerdings klar zwischen konstruktiven Vorteilen und subjektivem Trageempfinden unterscheiden.
Am Oberkopf sorgt das Monofilament für eine feinere Haarverteilung. Die Haare werden einzeln eingeknüpft, und das Trägermaterial kann zwischen ihnen die optische Wirkung der darunterliegenden Kopfhaut unterstützen.
Außerhalb dieses Bereichs verzichtet die Montur auf klassische Tressen. Auch dort werden die Haare einzeln beziehungsweise in kleinen Einheiten befestigt.
Daraus können unter anderem folgende Eigenschaften entstehen:
- ein großflächig handgeknüpfter Oberkopf mit Monofilament,
- keine klassischen Tressen in den vollständig handgeknüpften Monturbereichen,
- differenziertere Beweglichkeit der einzelnen Haarpartien,
- gezielte Ausrichtung der Haare bei der Herstellung,
- eine feine Konstruktion über große Bereiche der Montur,
- gute Voraussetzungen für Frisuren mit einem sichtbaren Oberkopf und variabler Haarverteilung.
Was daraus nicht automatisch folgt, sind garantierter Komfort, perfekter Halt oder eine unter allen Bedingungen unsichtbare Montur.
Das persönliche Tragegefühl hängt beispielsweise ebenso von Kopfgröße, Kopfform, Trägermaterial, Eigenhaar, Hautempfindlichkeit und der genauen Konstruktion des jeweiligen Modells ab.
Ist diese Montur automatisch besonders natürlich?
Monofilament und Handknüpfung schaffen sehr gute konstruktive Voraussetzungen für eine feine Haarverteilung. Trotzdem entsteht die Wirkung einer Perücke nie allein durch ihre Montur.
Mindestens ebenso wichtig sind Haardichte, Farbe, Schnitt, Haarmaterial, Frisur, Positionierung und gegebenenfalls der vordere Haaransatz.
Gerade an der Stirn übernimmt Monofilament am Oberkopf nämlich nicht automatisch dieselbe Funktion wie eine Lace Front.
Eine Perücke kann einen großflächigen Monofilament-Oberkopf und eine vollständig handgeknüpfte übrige Montur besitzen, aber trotzdem unterschiedliche Frontkonstruktionen verwenden.
Deshalb führt Ellen Wille bei aktuellen Modellen mit „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ zusätzlich verschiedene Arten von Filmansätzen. Je nach Modell kommen ein klassischer Filmansatz, ein erweiterter Filmansatz oder ein Ohr-zu-Ohr-Filmansatz zum Einsatz.
Die Konstruktion sollte deshalb immer als Gesamtsystem betrachtet werden:
- Monofilament beeinflusst vor allem Oberkopf und Scheitel,
- Handknüpfung beeinflusst die Haarbefestigung und Beweglichkeit in weiteren Monturbereichen,
- der Filmansatz beeinflusst die Gestaltung der vorderen Kontur,
- das Haarmaterial bestimmt viele Pflege- und Stylingmöglichkeiten.
Erst das Zusammenspiel dieser Merkmale bestimmt den tatsächlichen Charakter einer Perücke.
Lace Front, Extended Lace Front oder Ohr-zu-Ohr-Filmansatz?
Ein wichtiger Punkt bei hochwertigen handgeknüpften Perücken ist die Frontkonstruktion. Sie sollte nicht mit der Handknüpfung oder dem Monofilament gleichgesetzt werden.
Bei einer Lace Front beziehungsweise einem Filmansatz werden Haare in ein besonders feines Material entlang der vorderen Kontur eingearbeitet. Dadurch kann dort ein weicherer optischer Übergang unterstützt werden.
Wie groß dieser fein gearbeitete Bereich ist, unterscheidet sich je nach Modell.
Ein klassischer Filmansatz konzentriert sich auf einen begrenzten Frontbereich. Eine Extended Lace Front führt das Material weiter seitlich entlang der Stirnkontur. Ein Ohr-zu-Ohr-Filmansatz erstreckt sich noch weiter entlang der vorderen Kontur.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Frisur ab. Wer die Haare weit aus dem Gesicht tragen möchte, kann andere Anforderungen haben als eine Trägerin mit Pony oder geschlossener Front.
Auch hier gilt: Mehr Fläche bedeutet nicht automatisch, dass die Perücke für jede Person besser ist. Zusätzliche technische Ausstattung ist nur dann ein wirklicher Vorteil, wenn die dadurch entstehenden Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden.
Ein Filmansatz sollte außerdem nicht als unter allen Bedingungen unsichtbar bezeichnet werden. Licht, Hautfarbe, Positionierung und Frisur beeinflussen, wie der Übergang wahrgenommen wird.
Die Konstruktion gibt es aus Synthetikhaar, High Heat Fiber und Echthaar
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Trennung von Montur und Haarmaterial.
Monofilament + 100 % handgeknüpft beschreibt ausschließlich die Konstruktion der Perückenbasis. Die Bezeichnung sagt nicht, aus welchem Haarmaterial das Modell besteht.
Ellen Wille verwendet diese Verarbeitung aktuell bei unterschiedlichen Haarfasern. Es gibt Modelle aus klassischem Synthetikhaar, hitzeresistenter High Heat Fiber und Echthaar.
Das ist für die Pflege und das Styling entscheidend.
Klassisches Synthetikhaar besitzt eine weitgehend gespeicherte Frisurenstruktur und ist nicht automatisch für thermisches Umstyling vorgesehen.
High Heat Fiber ermöglicht innerhalb der jeweiligen Herstellerangaben zusätzliche thermische Veränderungen. Auch hier bleibt das Material jedoch synthetisch und sollte entsprechend behandelt werden.
Echthaar bietet wiederum andere Stylingmöglichkeiten, muss nach einer Reinigung aber in der Regel gezielt neu in Form gebracht werden.
Die aufwendige Montur macht aus einer synthetischen Haarfaser also kein Echthaar und verleiht klassischem Kunsthaar keine zusätzlichen Hitzeeigenschaften.
Wer zwischen den verschiedenen Haarmaterialien abwägt, findet weitere Informationen in unserem Ratgeber Echthaar oder Kunsthaar – welche Perücke passt zu mir?.
Welche aktuellen Perücken nutzen diese Verarbeitung?
Monofilament + 100 % Handknüpfung ist keineswegs eine historische oder nur selten verwendete Konstruktion. Ellen Wille setzt sie auch heute bei zahlreichen hochwertigen Perücken ein.
Die Verarbeitung findet sich in unterschiedlichen Kollektionen und bei verschiedenen Haarmaterialien. Dadurch lässt sich sehr gut erkennen, dass es sich nicht um eine bestimmte Frisuren- oder Haarfaserkategorie handelt.
Bei High Heat Fiber wird diese Konstruktion beispielsweise bei ausgewählten Modellen der Hair Society und anderer Kollektionen eingesetzt. Auch verschiedene Echthaarperücken besitzen einen Monofilament-Oberkopf in Kombination mit einer vollständig handgeknüpften übrigen Montur.
Zu den aktuellen Echthaarmodellen mit dieser Konstruktion gehören beispielsweise Award Deluxe, Brilliance Plus Deluxe, Jadore Deluxe, Prestige Deluxe, Supreme Plus Deluxe und Trinity Plus Deluxe. Je nach Modell werden diese Monturen zusätzlich mit unterschiedlichen Filmansatzkonstruktionen kombiniert.
Das zeigt zugleich, warum die Montur nicht isoliert bewertet werden sollte. Zwei Perücken können dieselbe Grundkonstruktion „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ besitzen und sich trotzdem bei Haarmaterial, Frisur, Haarlänge, Frontkonstruktion und Größe erheblich unterscheiden.
Für wen kann diese aufwendige Montur interessant sein?
Eine Perücke mit Monofilament und vollständiger Handknüpfung kann besonders interessant sein, wenn mehrere Eigenschaften dieser Konstruktion tatsächlich gewünscht werden.
Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn:
- ein großflächiger Monofilament-Oberkopf gewünscht wird,
- auf klassische Tressen in den übrigen Monturbereichen verzichtet werden soll,
- eine differenzierte Beweglichkeit der Haare wichtig ist,
- eine aufwendig handgeknüpfte Montur ausdrücklich bevorzugt wird,
- mehr Scheitelmöglichkeiten als bei einem kleinen Mono Part gewünscht werden,
- die jeweilige Frontkonstruktion zur bevorzugten Frisur passt.
Die Konstruktion ist dagegen nicht automatisch notwendig, wenn die Frisur beispielsweise dauerhaft mit einem fest vorgegebenen Scheitel getragen wird und eine tressierte Montur persönlich gut funktioniert.
Auch sollte eine technisch aufwendige Montur niemals eine unpassende Größe kompensieren müssen.
Eine Perücke kann noch so fein verarbeitet sein: Ist sie deutlich zu groß oder zu klein, sitzen Oberkopf, Haaransatz, Ohrbereiche und Nacken nicht an den vorgesehenen Positionen.
Wie Sie die richtige Größe bestimmen, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Ellen Wille Perückengrößen richtig bestimmen.
Ist Monofilament + 100 % Handknüpfung automatisch komfortabler?
Eine feine, tressenfreie Montur kann von vielen Trägerinnen als angenehm empfunden werden. Trotzdem wäre „höchster“ oder „perfekter Tragekomfort“ als allgemeine Aussage zu absolut.
Tragekomfort ist immer individuell.
Die Monturtechnik ist dabei nur ein Faktor. Ebenso wichtig sind die richtige Größe, das konkrete Trägermaterial, Nähte und Abschlüsse, die Kopfform, vorhandenes Eigenhaar, persönliche Empfindlichkeit und die Dauer des Tragens.
Auch das Gewicht der fertigen Perücke hängt nicht allein von der Montur ab. Haarlänge, Haardichte und Haarmaterial beeinflussen das Gesamtgewicht ebenfalls.
Besonders bei empfindlicher Kopfhaut sollte deshalb nicht einfach angenommen werden, dass die technisch aufwendigste Konstruktion automatisch die angenehmste sein muss.
Eine fundierte Auswahl betrachtet Montur, Passform und persönliche Anforderungen gemeinsam.
Pflege – bei einer feinen handgeknüpften Montur ist Sorgfalt wichtig
Die hochwertige Konstruktion verdient einen entsprechend vorsichtigen Umgang. Gerade die einzeln eingeknüpften Haare und die feinen Trägermaterialien sollten nicht unnötig mechanisch belastet werden.
Beim Waschen sollte die Perücke weder kräftig gerieben noch geknetet oder ausgewrungen werden. Auch beim Bürsten beziehungsweise Kämmen sollte vermieden werden, starken Zug direkt auf die Knüpfstellen auszuüben.
Besitzt das Modell zusätzlich einen Filmansatz, sollte auch dieser feine Frontbereich möglichst vorsichtig behandelt werden.
Welche Pflegeprodukte verwendet werden, richtet sich dagegen nach dem Haarmaterial. Echthaar benötigt andere Produkte und Arbeitsschritte als klassisches Synthetikhaar oder High Heat Fiber.
Auch thermische Stylingmöglichkeiten ergeben sich aus der Haarfaser und nicht aus der Handknüpfung. Eine vollständig handgeknüpfte Kunsthaarperücke darf deshalb nicht allein wegen ihrer hochwertigen Montur mit heißen Geräten bearbeitet werden.
Unsere ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im Beitrag Perücken richtig pflegen – Anleitung für Kunsthaar und Echthaar.
Welche Reinigungsprodukte sich für unterschiedliche Zweithaarfasern eignen, erklären wir zusätzlich in unserem Ratgeber über das richtige Perücken-Shampoo.
Wie wird eine solche Montur hergestellt?
Der hohe Fertigungsaufwand wird verständlicher, wenn man sich den grundsätzlichen Herstellungsprozess vor Augen führt.
Im Monofilamentbereich des Oberkopfes müssen die einzelnen Haare in einem für die spätere Frisur sinnvollen Verlauf eingeknüpft werden. Haardichte, Scheitelrichtung und Haarverteilung entstehen dabei nicht zufällig, sondern werden bereits während der Herstellung berücksichtigt.
Auch außerhalb des Monofilaments setzt sich die Handarbeit fort. Dort werden die Haare ebenfalls einzeln beziehungsweise in kleinen Einheiten auf das feine Trägermaterial geknüpft.
Dieser Prozess benötigt erheblich mehr einzelne Arbeitsschritte als eine Konstruktion, bei der große Bereiche aus vorgefertigten maschinellen Tressen bestehen.
Das erklärt einen Teil des höheren Fertigungsaufwands solcher Perücken. Gleichzeitig zeigt es, weshalb die Montur schonend behandelt werden sollte: Die feinen Trägermaterialien und tausenden Knüpfpunkte sind das Ergebnis umfangreicher Handarbeit.
Wie unterschiedliche Monturen entstehen und welche Rolle Tressen, Monofilament, Filmansatz und Handknüpfung dabei spielen, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag über die Herstellung von Perücken.
Fazit: Monofilament + 100 % Handknüpfung verbindet zwei hochwertige Konstruktionstechniken
Monofilament und 100 % Handknüpfung bilden gemeinsam eine der aufwendigeren Monturkonstruktionen moderner Perücken.
Am Oberkopf werden die Haare einzeln in feines Monofilament eingeknüpft. Dadurch kann zwischen den Haaren die darunterliegende Haut optisch hindurchscheinen, und es entstehen innerhalb dieses Bereichs differenzierte Möglichkeiten bei Haarverteilung und Scheitel.
Auch die übrigen entsprechenden Bereiche der Montur werden von Hand geknüpft. Klassische Tressen kommen in dieser Grundkonstruktion nicht zum Einsatz. Dadurch unterscheidet sie sich deutlich von einer Perücke mit Monofilament + Tresse.
Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zur Bezeichnung „100 % handgeknüpft“. Eine vollständig handgeknüpfte Perücke muss nicht automatisch zusätzlich einen großflächigen Monofilament-Oberkopf besitzen. Erst die Bezeichnung „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ beschreibt genau diese Kombination.
Die Konstruktion sagt außerdem nichts über die verwendete Haarfaser aus. Sie kann mit klassischem Synthetikhaar, High Heat Fiber oder Echthaar kombiniert werden. Entsprechend richten sich Pflege und Styling immer zusätzlich nach dem konkreten Haarmaterial.
Auch Filmansätze sind ein eigenständiges Merkmal. Je nach Modell kann die Montur mit einer klassischen Lace Front, einer Extended Lace Front oder einem besonders weit geführten Filmansatz kombiniert werden.
Die technisch aufwendigste Montur ist dennoch nicht automatisch für jede Trägerin die beste. Entscheidend ist, welche Eigenschaften tatsächlich benötigt werden und ob Frisur, Haarmaterial, Frontgestaltung, Kopfgröße und Montur gemeinsam zu den persönlichen Anforderungen passen.
Wer diese Unterschiede kennt, kann hochwertige Perücken wesentlich besser miteinander vergleichen und versteht zugleich, warum die Bezeichnung „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ weit mehr beschreibt als nur einen allgemeinen Qualitätsbegriff.