100 % handgeknüpfte Perücken – wenn jedes Haar einzeln eingearbeitet wird
Bei der Auswahl einer Perücke spielen Frisur, Farbe und Haarmaterial eine wichtige Rolle. Mindestens ebenso interessant ist jedoch das, was später kaum jemand sieht: die Montur. Sie bildet die Basis der Perücke und entscheidet darüber, wie und wo die einzelnen Haare beziehungsweise Haarfasern befestigt sind.
Eine besonders aufwendige Form der Verarbeitung ist die 100 % Handknüpfung. Anders als bei einer klassischen Tressenkonstruktion werden die Haare dabei nicht in vorgefertigten Haarreihen auf die Montur gesetzt. Sie werden einzeln beziehungsweise in sehr kleinen Einheiten von Hand in ein feines Trägermaterial eingeknüpft.
Dadurch kann sich das Haar innerhalb der handgeknüpften Bereiche freier bewegen und die Montur kommt ohne die typischen Haarreihen einer Tressenkonstruktion aus.
Doch was bedeutet „100 % handgeknüpft“ tatsächlich? Ist eine solche Perücke automatisch natürlicher? Ist sie immer komfortabler? Und worin besteht der Unterschied zwischen einer 100 % handgeknüpften Perücke und der ebenfalls häufig verwendeten Bezeichnung „Monofilament + 100 % handgeknüpft“?
In diesem Ratgeber des Friseurbedarf24 Online Shop erklären wir die Konstruktion ausführlich und zeigen, welche Eigenschaften tatsächlich aus der Handknüpfung resultieren – und welche dagegen von Haarmaterial, Filmansatz, Monofilament, Passform und dem konkreten Modell abhängen.
Was bedeutet 100 % handgeknüpft bei einer Perücke?
Die Bezeichnung beschreibt zunächst die Verarbeitung der Montur. Bei einer 100 % handgeknüpften Perücke werden die Haare beziehungsweise Haarfasern von Hand in ein feines Trägermaterial eingeknüpft.
Damit unterscheidet sich diese Konstruktion grundlegend von einer Tressenperücke. Bei Tressen werden Haare zunächst maschinell zu schmalen Haarreihen verarbeitet. Diese fertigen Tressen werden anschließend auf der Montur befestigt.
Bei einer vollständig handgeknüpften Konstruktion entfallen diese klassischen Tressenbereiche. Die Haare werden stattdessen über die entsprechend ausgeführte Montur einzeln befestigt.
Diese Herstellung ist arbeitsintensiv. Eine große Anzahl einzelner Knüpfpunkte muss von Hand gesetzt werden, damit am Ende die vorgesehene Haardichte, Haarverteilung und Frisurenform entstehen.
„100 % handgeknüpft“ beschreibt damit zunächst eine Herstellungstechnik und sollte nicht als pauschales Versprechen für perfekten Sitz, uneingeschränkte Stylingmöglichkeiten oder eine bestimmte Haarqualität verstanden werden.
Wie wird eine handgeknüpfte Perücke hergestellt?
Die Grundlage bildet ein feines Trägermaterial, dessen genaue Konstruktion je nach Hersteller und Modell unterschiedlich ausfallen kann. In dieses Material werden die einzelnen Haare oder kleinen Haargruppen von Hand eingeknüpft.
Die Knüpfung muss dabei dem vorgesehenen Frisurenverlauf folgen. Haare am Oberkopf benötigen eine andere Ausrichtung als Haare im Nacken oder an den Seiten.
Gleichzeitig müssen Haardichte und Fallrichtung berücksichtigt werden. Die handwerkliche Arbeit besteht deshalb nicht lediglich darin, möglichst viele Haare auf einer Basis zu befestigen. Die einzelnen Knüpfungen bilden gemeinsam die Grundlage für die spätere Frisur.
Wie aufwendig dieser Arbeitsschritt ist, wird besonders deutlich, wenn man ihn mit einer Tressenkonstruktion vergleicht. Dort werden bereits vorbereitete Haarreihen verwendet. Bei der Handknüpfung müssen die einzelnen Haarpartien dagegen unmittelbar auf der Montur befestigt werden.
Wer genauer erfahren möchte, wie aus Haarmaterial, Montur und verschiedenen Verarbeitungstechniken eine fertige Perücke entsteht, findet weitere Informationen in unserem Beitrag über die Herstellung von Perücken.
Warum können sich die Haare bei einer Handknüpfung freier bewegen?
Einer der wichtigsten konstruktiven Unterschiede gegenüber einer Tresse liegt in der Art der Haarbefestigung.
Bei einer Tresse sind zahlreiche Haare gemeinsam in einer vorgefertigten Haarreihe angeordnet. Ihre Position wird dadurch stärker von der Tressenkonstruktion vorgegeben.
Bei einer Handknüpfung werden die Haare dagegen einzeln beziehungsweise in kleinen Einheiten direkt in die Montur geknüpft. Dadurch können sie sich innerhalb der Konstruktion differenzierter bewegen und fallen.
Gerade bei Frisuren, bei denen Beweglichkeit und eine weniger stark durch Haarreihen bestimmte Verteilung gewünscht werden, kann dies von Vorteil sein.
Die tatsächliche Frisierbarkeit darf dennoch nicht ausschließlich aus der Handknüpfung abgeleitet werden. Schnitt, Haarlänge, Haardichte, Knüpfrichtung und vor allem das verwendete Haarmaterial setzen weiterhin Grenzen.
Eine handgeknüpfte Perücke aus klassischem Synthetikhaar erhält durch die Montur beispielsweise nicht plötzlich dieselben thermischen Stylingmöglichkeiten wie eine Echthaarperücke oder eine dafür vorgesehene High Heat Fiber.
100 % handgeknüpft ist nicht dasselbe wie Monofilament + 100 % handgeknüpft
Dieser Unterschied ist bei der Beratung besonders wichtig. Ellen Wille unterscheidet ausdrücklich zwischen „100 % handgeknüpft“ und „Monofilament + 100 % handgeknüpft“.
Bei einer 100 % handgeknüpften Perücke wird die Montur großflächig beziehungsweise vollständig in Handarbeit geknüpft. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der gesamte Oberkopf aus Monofilament besteht.
Bei der Konstruktion Monofilament + 100 % handgeknüpft kommt am Oberkopf zusätzlich Monofilament zum Einsatz. In diesem feinen, hautähnlich wirkenden Material werden die Haare ebenfalls einzeln eingeknüpft. Die übrigen entsprechenden Bereiche der Montur sind ebenfalls handgeknüpft, verwenden jedoch eine andere Basis.
Das Monofilament erfüllt dabei vor allem am sichtbaren Oberkopf und Scheitel eine besondere optische Funktion. Zwischen den einzeln eingeknüpften Haaren kann die darunterliegende Haut hindurchscheinen, wodurch die Wirkung einer Kopfhaut unterstützt wird.
| Konstruktion | Handknüpfung | Monofilament | Tressen |
|---|---|---|---|
| 100 % handgeknüpft | großflächig beziehungsweise vollständig | nicht zwingend | keine klassische Tressenkonstruktion |
| Monofilament + 100 % handgeknüpft | großflächig beziehungsweise vollständig | zusätzlich am Oberkopf | keine klassische Tressenkonstruktion |
| Monofilament + Tresse | im Monofilamentbereich | vorhanden | in weiteren Monturbereichen |
| Mono Part + Tresse | im Scheitelbereich | auf einen definierten Scheitel begrenzt | in weiteren Monturbereichen |
Wer verschiedene Perücken miteinander vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf das Wort „handgeknüpft“ achten. Größe, Lage und Material der jeweiligen Monturbereiche sind mindestens ebenso wichtig.
Einen vollständigen Überblick über die unterschiedlichen Konstruktionen finden Sie in unserem Ratgeber Perückenmonturen und ihre Unterschiede.
Welche Vorteile bietet eine 100 % handgeknüpfte Montur?
Der größte Vorteil liegt in der aufwendigen Einzelbefestigung der Haare. Da keine klassischen Tressen die Haarverteilung bestimmen, können sich die einzelnen Haarpartien innerhalb der vorgesehenen Konstruktion freier bewegen.
Hinzu kommt die feine Beschaffenheit vieler für die Handknüpfung verwendeter Trägermaterialien. Dadurch kann eine entsprechend konstruierte Montur vergleichsweise wenig auftragen.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Griff in die Frisur. Wo keine Tressenbänder verlaufen, wird die Konstruktion unter den Haaren anders wahrgenommen als bei einer tressierten Montur.
Zu den konstruktiven Vorteilen können daher gehören:
- einzeln beziehungsweise in kleinen Einheiten eingeknüpfte Haare,
- keine klassischen Tressenreihen in den vollständig handgeknüpften Bereichen,
- größere Beweglichkeit einzelner Haarpartien,
- eine feine und aufwendige Monturkonstruktion,
- unterschiedliche Fallrichtungen der Haare können gezielt eingearbeitet werden,
- gute Voraussetzungen für anspruchsvolle Frisurenkonstruktionen.
Diese Punkte sollten allerdings nicht mit Garantien verwechselt werden. Ob eine Perücke persönlich als besonders angenehm, leicht oder natürlich empfunden wird, hängt vom vollständigen Modellaufbau und von der individuellen Trägerin ab.
Ist eine 100 % handgeknüpfte Perücke automatisch natürlicher?
Handknüpfung schafft sehr gute konstruktive Voraussetzungen für eine differenzierte Haarverteilung. Natürlichkeit entsteht bei einer Perücke jedoch nie durch ein einzelnes Merkmal.
Auch Haarmaterial, Haardichte, Schnitt, Farbe, Scheitelgestaltung, Frontkonstruktion und die richtige Position auf dem Kopf beeinflussen das Erscheinungsbild.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen der handgeknüpften Montur und Monofilament. Soll am Oberkopf der optische Eindruck einer sichtbaren Kopfhaut unterstützt werden, ist ein Monofilamentbereich von besonderer Bedeutung.
Für die Front wiederum kann eine Lace Front beziehungsweise ein Filmansatz entscheidender sein. Dort werden einzelne Haare in ein besonders feines Material entlang der Stirnkontur eingearbeitet.
Eine hochwertige Perücke kann deshalb mehrere Techniken miteinander verbinden: Handknüpfung für die Montur, Monofilament für den Oberkopf und eine Lace Front für die vordere Kontur.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Frisur ab.
Welche Rolle spielt der Filmansatz bei handgeknüpften Perücken?
100 % Handknüpfung und Filmansatz beschreiben zwei unterschiedliche Merkmale. Eine vollständig handgeknüpfte Perücke besitzt deshalb nicht automatisch eine Lace Front.
Umgekehrt kann eine Perücke mit Filmansatz in den übrigen Bereichen ganz anders konstruiert sein.
Bei einem Filmansatz werden Haare entlang der vorderen Kontur in ein sehr feines Trägermaterial eingearbeitet. Dadurch kann ein weicherer Übergang zwischen Stirn und Frisur unterstützt werden.
Ellen Wille kombiniert 100 % handgeknüpfte Konstruktionen aktuell bei zahlreichen Modellen mit einem Filmansatz oder einer erweiterten Variante. Es gibt jedoch unterschiedliche Ausführungen, weshalb die technische Ausstattung immer modellspezifisch geprüft werden sollte.
Eine Extended Lace Front führt den fein gearbeiteten Bereich weiter entlang der vorderen Kontur. Bei bestimmten Frisuren kann das zusätzliche Möglichkeiten bieten, die Haare seitlich oder stärker aus dem Gesicht zu tragen.
Auch eine Lace Front ist allerdings nicht unter allen Lichtverhältnissen und bei jeder Positionierung vollständig unsichtbar. Ihre Wirkung hängt unter anderem von Kopfform, Hautton, Sitz und Frisur ab.
Handgeknüpfte Perücken gibt es aus Kunsthaar, High Heat Fiber und Echthaar
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, die Monturkonstruktion mit dem Haarmaterial gleichzusetzen. Beides muss getrennt betrachtet werden.
„100 % handgeknüpft“ sagt ausschließlich etwas über die Verarbeitung der Montur aus. Es sagt nicht, ob die Perücke aus Echthaar oder einer synthetischen Faser besteht.
Ellen Wille führt beispielsweise zahlreiche vollständig handgeknüpfte Modelle aus klassischem Synthetikhaar. Gleichzeitig gibt es entsprechende Konstruktionen aus High Heat Fiber und Echthaar.
Auch die Kombination „Monofilament + 100 % handgeknüpft“ wird mit unterschiedlichen Haarmaterialien angeboten.
Das ist für die Kaufentscheidung besonders wichtig, weil sich die Pflege- und Stylingmöglichkeiten nach der Haarfaser richten.
Eine klassische Synthetikfaser besitzt eine weitgehend gespeicherte Frisurenstruktur. High Heat Fiber ermöglicht innerhalb der jeweiligen Herstellerangaben zusätzliche thermische Veränderungen. Echthaar bietet wiederum andere Stylingmöglichkeiten und benötigt nach einer Haarwäsche in der Regel ein gezieltes neues Styling.
Eine ausführliche Entscheidungshilfe finden Sie in unserem Ratgeber Echthaar oder Kunsthaar – welche Perücke passt zu mir?.
Kann man eine 100 % handgeknüpfte Perücke beliebig stylen?
Nein. Genau diese Aussage des früheren Blogbeitrags sollte korrigiert werden.
Die Handknüpfung beeinflusst vor allem, wie die Haare an der Montur befestigt sind und wie sie sich innerhalb der Konstruktion bewegen können. Ob sie geföhnt, geglättet oder mit einem Lockenstab bearbeitet werden dürfen, hängt dagegen vom Haarmaterial ab.
Klassisches Synthetikhaar ist nicht automatisch für thermisches Umstyling geeignet. Ein heißes Glätteisen oder ein Lockenstab kann die Faser dauerhaft beschädigen.
High Heat Fiber ist für thermische Veränderungen innerhalb der vom Hersteller vorgesehenen Bedingungen entwickelt worden. Auch hier bedeutet „hitzebeständig“ jedoch nicht, dass unbegrenzt hohe Temperaturen verwendet werden können.
Echthaar wiederum lässt sich grundsätzlich anders stylen, benötigt dafür aber ebenfalls eine materialgerechte Behandlung.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Ist diese Perücke handgeknüpft und kann ich sie deshalb glätten?“, sondern: „Aus welchem Haarmaterial besteht sie und welche Stylingmethoden sind für dieses Material freigegeben?“
Ist eine handgeknüpfte Montur bei empfindlicher Kopfhaut besser?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja beantworten.
Eine feine handgeknüpfte Montur kann von manchen Trägerinnen als angenehm empfunden werden, weil keine klassischen Tressenreihen vorhanden sind und die Basis je nach Konstruktion sehr fein ausgeführt werden kann.
Das persönliche Empfinden hängt jedoch von deutlich mehr Faktoren ab: dem konkreten Trägermaterial, vorhandenen Nähten, der Passform, dem Kopfumfang, der Kopfhaut, eventuell vorhandenem Eigenhaar und der Dauer des Tragens.
Gerade bei sehr sensibler Kopfhaut sollte deshalb nicht allein aufgrund der Bezeichnung „100 % handgeknüpft“ gekauft werden.
Auch eine technisch hochwertige Montur kann unangenehm sitzen, wenn sie zu eng ist oder an der falschen Position Druck ausübt.
Die richtige Größe bleibt daher ein zentraler Bestandteil der Auswahl. Wie Sie Ihre Kopfmaße bestimmen und die Größen bei Ellen Wille einordnen, erklären wir in unserem Ratgeber Ellen Wille Perückengrößen richtig bestimmen.
Bietet eine 100 % handgeknüpfte Perücke automatisch besseren Halt?
Auch das ist ein verbreitetes Missverständnis. Die Handknüpfung beschreibt die Befestigung der Haare auf der Montur – nicht die Befestigung der Perücke auf dem Kopf.
Für einen guten Sitz sind vor allem die passende Monturgröße, die individuelle Kopfform und die konstruktiven Einstellmöglichkeiten der jeweiligen Perücke entscheidend.
Eine 100 % handgeknüpfte Perücke sitzt deshalb nicht automatisch sicherer als ein Modell mit Monofilament und Tressen.
Bei Bedarf können je nach Ausgangssituation zusätzliche Möglichkeiten zur Stabilisierung infrage kommen. Welche davon geeignet sind, hängt unter anderem davon ab, ob Eigenhaar vorhanden ist und welche Monturkonstruktion getragen wird.
Die aufwendige Handknüpfung sollte deshalb nicht als Befestigungssystem verstanden werden. Sie ist eine Herstellungstechnik der Montur.
Sind vollständig handgeknüpfte Perücken langlebiger?
Auch die Haltbarkeit lässt sich nicht allein aus der Handknüpfung ableiten.
Die Lebensdauer einer Perücke wird von vielen Faktoren beeinflusst: Haarmaterial, Haarlänge, Tragehäufigkeit, Reibung, Pflege, Styling und Umgang mit der Montur spielen gemeinsam eine Rolle.
Die Herstellung einer vollständig handgeknüpften Montur ist sehr aufwendig. Das bedeutet jedoch nicht, dass die feinen Knüpfstellen unbegrenzt mechanisch belastbar wären.
Im Gegenteil: Gerade weil die einzelnen Haare auf einem feinen Trägermaterial befestigt sind, sollte beim Bürsten und Pflegen nicht kräftig unmittelbar an der Basis gezogen werden.
Bei längeren Frisuren kommt zusätzlich die Beanspruchung der Haarlängen durch Kleidung, Schultern und Nacken hinzu. Bei synthetischen Fasern kann diese Reibung einen erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild haben – unabhängig davon, ob die Montur handgeknüpft oder tressiert ist.
Eine hochwertige Verarbeitung verdient deshalb einen entsprechend sorgfältigen Umgang.
Wie pflegt man eine 100 % handgeknüpfte Perücke?
Bei der Pflege müssen erneut Haarmaterial und Montur getrennt betrachtet werden.
Das Haarmaterial bestimmt, welche Reinigungs- und Pflegeprodukte verwendet werden. Die feine handgeknüpfte Montur bestimmt dagegen, wie vorsichtig insbesondere an der Basis gearbeitet werden sollte.
Beim Waschen sollte die Perücke nicht kräftig gerieben, geknetet oder ausgewrungen werden. Starkes Ziehen an den Haaren direkt an den Knüpfstellen ist ebenfalls zu vermeiden.
Besitzt das Modell zusätzlich Monofilament oder eine Lace Front, sollten auch diese feinen Bereiche möglichst wenig mechanisch belastet werden.
Beim Kämmen und Bürsten längerer Modelle empfiehlt es sich, die Haarlängen kontrolliert zu entwirren und unnötigen Zug auf die Montur zu vermeiden.
Welche Produkte und Arbeitsschritte bei Kunsthaar und Echthaar sinnvoll sind, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Perücken richtig pflegen – Anleitung für Kunsthaar und Echthaar.
Weitere Informationen zur Auswahl geeigneter Reinigungsprodukte finden Sie in unserem Ratgeber über das richtige Perücken-Shampoo.
100 % handgeknüpft oder Monofilament + Tresse – was ist die bessere Wahl?
Eine vollständig handgeknüpfte Perücke ist in der Herstellung aufwendiger als eine klassische Tressenkonstruktion. Trotzdem wäre es falsch, daraus eine einfache Rangliste abzuleiten.
Eine Kombination aus Monofilament und Tresse kann für viele Frisuren ausgesprochen sinnvoll sein. Dort wird die aufwendige Einzelknüpfung gezielt im sichtbaren Oberkopfbereich eingesetzt, während Seiten und Hinterkopf tressiert aufgebaut sind.
Bei einer 100 % handgeknüpften Konstruktion entfällt diese klassische Tressenstruktur dagegen über die entsprechend ausgeführte Montur.
| Kriterium | 100 % handgeknüpft | Monofilament + Tresse |
|---|---|---|
| Haarbefestigung | großflächig von Hand geknüpft | Handknüpfung im Monofilament, sonst Tressen |
| Tressen | keine klassische Tressenkonstruktion | vorhanden |
| Monofilament | nicht automatisch vorhanden | vorhanden |
| Beweglichkeit | großflächig differenzierte Haarbewegung möglich | abhängig vom jeweiligen Monturbereich |
| Herstellungsaufwand | sehr hoch | hoch, abhängig von der Konstruktion |
| Geeignet für | Trägerinnen, die gezielt eine tressenfreie, handgeknüpfte Konstruktion wünschen | Trägerinnen, die Monofilament im sichtbaren Bereich mit einer Tressenkonstruktion kombinieren möchten |
Welche Variante besser passt, hängt deshalb von den persönlichen Prioritäten ab.
Wer die Konstruktion aus Monofilament und Tressen genauer kennenlernen möchte, findet dazu einen eigenen ausführlichen Beitrag über Perücken mit Monofilament und Tresse.
Wann lohnt sich Monofilament + 100 % Handknüpfung?
Eine besonders aufwendige Konstruktion entsteht, wenn ein großflächiger Monofilament-Oberkopf mit einer ansonsten vollständig handgeknüpften Montur kombiniert wird.
Damit werden zwei unterschiedliche Eigenschaften miteinander verbunden. Das Monofilament unterstützt am Oberkopf und Scheitel eine feine optische Kopfhautwirkung. Die übrige Montur kommt gleichzeitig ohne klassische Tressen aus und wird ebenfalls von Hand geknüpft.
Ellen Wille setzt diese Verarbeitung aktuell bei unterschiedlichen hochwertigen Modellen ein. Sie findet sich sowohl bei Synthetik- und High-Heat-Modellen als auch bei Echthaarperücken.
Auch hier gilt jedoch: Mehr Herstellungsaufwand bedeutet nicht automatisch, dass jede Trägerin diese Konstruktion benötigt.
Wer eine Frisur mit festem Scheitel trägt und mit einer tressierten Konstruktion sehr gut zurechtkommt, kann von einer einfacheren Montur ebenso überzeugt sein.
Die technisch aufwendigste Variante ist deshalb vor allem dann sinnvoll, wenn ihre konkreten Eigenschaften tatsächlich zu den persönlichen Wünschen passen.
Eine ausführliche Erklärung dieser besonderen Kombination finden Sie in unserem Beitrag über Monofilament und zu 100 % handgeknüpfte Perücken.
Für wen kann eine 100 % handgeknüpfte Perücke interessant sein?
Eine vollständig handgeknüpfte Perücke kann besonders interessant sein, wenn bewusst Wert auf eine tressenfreie Konstruktion und die großflächige Einzelknüpfung der Haare gelegt wird.
Sie kommt beispielsweise näher in Betracht, wenn:
- eine aufwendig handgearbeitete Montur gewünscht wird,
- klassische Tressen innerhalb der Montur vermieden werden sollen,
- eine differenzierte Beweglichkeit der Haarpartien wichtig ist,
- eine feine Monturkonstruktion bevorzugt wird,
- die Eigenschaften einer vollständigen Handknüpfung zur gewünschten Frisur passen.
Darüber hinaus sollten jedoch Haarmaterial, Filmansatz, gegebenenfalls Monofilament, Frisur, Farbe und Kopfgröße berücksichtigt werden.
Eine Perücke sollte niemals allein aufgrund eines einzelnen Qualitätsmerkmals ausgewählt werden. Erst das Zusammenspiel der unterschiedlichen Eigenschaften entscheidet darüber, ob ein Modell zu den eigenen Anforderungen passt.
Fazit: 100 % Handknüpfung ist hochwertige Handarbeit – aber kein pauschales Qualitätsversprechen
100 % handgeknüpfte Perücken gehören zu den besonders aufwendig hergestellten Monturkonstruktionen. Statt vorgefertigter Tressen werden die Haare beziehungsweise Haarfasern großflächig einzeln oder in kleinen Einheiten von Hand in ein feines Trägermaterial eingeknüpft.
Dadurch entsteht eine tressenfreie Konstruktion, bei der sich die einzelnen Haarpartien differenzierter bewegen können. Gleichzeitig ermöglicht die Handarbeit, Haarrichtung und -verteilung gezielt an die jeweilige Frisur anzupassen.
Wichtig ist jedoch eine realistische Einordnung. 100 % Handknüpfung garantiert weder perfekten Halt noch unbegrenzte Haltbarkeit oder uneingeschränkte Stylingmöglichkeiten. Sie macht klassisches Synthetikhaar beispielsweise nicht hitzebeständig und ersetzt auch nicht automatisch Monofilament oder einen Filmansatz.
Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen „100 % handgeknüpft“ und „Monofilament + 100 % handgeknüpft“. Bei letzterer Konstruktion wird die vollständige Handknüpfung zusätzlich mit einem Monofilamentbereich am Oberkopf kombiniert.
Welche Montur letztlich die richtige ist, hängt von den persönlichen Anforderungen ab. Eine vollständig handgeknüpfte Perücke kann eine ausgezeichnete Wahl sein, wenn die Eigenschaften dieser Konstruktion tatsächlich gewünscht werden. Eine gut konstruierte Perücke mit Monofilament und Tresse kann für eine andere Trägerin dagegen ebenso passend sein.
Die beste Perückenmontur ist deshalb nicht automatisch die technisch aufwendigste, sondern diejenige, deren Konstruktion, Haarmaterial, Frisur und Passform möglichst gut zu den individuellen Anforderungen der Trägerin passen.